Swissgrid-Abgaben 2027
Die Swissgrid-Abgaben sinken im Tarifjahr 2027 erneut. Vor allem die Systemdienstleistungen und die Stromreserve gehen zurück. Nachfolgend sind die zentralen Abgaben, die Vorliegerkosten des Übertragungsnetzes NE1 sowie die Entwicklung über die letzten acht Tarifjahre kompakt dargestellt.
Swissgrid 2027 auf einen Blick
Die Gesamtbelastung sinkt auf 0.55 Rp./kWh. Während die Systemdienstleistungen und die Stromreserve deutlich zurückgehen, steigen die solidarisierten Kosten gegenüber dem Vorjahr an. Insgesamt fällt die Swissgrid-Abgabe 2027 dennoch klar tiefer aus als 2026.
Entwicklung der Swissgrid-Abgaben 2020 bis 2027
Dargestellt sind die Entwicklung der Systemdienstleistungen, der Stromreserve, der solidarisierten Kosten sowie der gesamten Swissgrid-Abgaben über die letzten acht Tarifjahre.
Tariftreiber 2027
Ursachen der Tarifveränderungen im Überblick
Der Rückgang der Swissgrid-Abgaben 2027 ist im Wesentlichen auf tiefere Kosten in den beeinflussbaren Kernbereichen des Übertragungsnetzbetriebs zurückzuführen. Tarifdämpfend wirken insbesondere die weiterentwickelten Instrumente im Engpassmanagement, Effizienzgewinne bei den allgemeinen Systemdienstleistungen sowie die weiterhin teilweise tarifsenkende Verwendung der Erlöse aus der Vergabe von Grenzkapazitäten.1
Auf der Ebene der Netznutzung ist vor allem die höhere operative Effizienz in der Bewirtschaftung des Übertragungsnetzes relevant. Swissgrid verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf den Einsatz von Dynamic Line Rating. Die bessere Ausnutzung bestehender Netzkapazitäten reduziert den Bedarf an kostenintensiven Redispatch- und Engpassmassnahmen und wirkt damit unmittelbar auf die Netznutzungstarife. Aus tariflicher Sicht ist dies Ausdruck einer verbesserten Betriebsoptimierung des Bestandsnetzes und nicht einer grundlegenden Veränderung der Kostenbasis des Netzausbaus.1
Im Bereich der allgemeinen Systemdienstleistungen beruht die Entlastung auf einer günstigeren Beschaffung von Regelleistung. Swissgrid führt dies auf Effizienzsteigerungen und auf die breitere Teilnahme zusätzlicher Flexibilitätsanbieter zurück, namentlich Batteriespeicher sowie aggregierte kleinere Anlagen. Die vergrösserte Anbieterbasis erhöht die Liquidität und den Wettbewerbsdruck in den relevanten Beschaffungsmärkten. Der Rückgang des SDL-Tarifs ist damit auch als Ergebnis einer weiterentwickelten Marktausgestaltung und einer breiteren technologischen Öffnung zu lesen.1
Der starke Rückgang beim Tarif Stromreserve entlastet die Endverbraucher 2027 deutlich. Gleichzeitig bleibt dieser Kostenblock strukturell volatil, da seine Entwicklung wesentlich von bundesrechtlich vorgegebenen Reserveinstrumenten und deren Kostenparametern abhängt. Swissgrid weist ausdrücklich darauf hin, dass mit den erwarteten Kosten neuer Reservekraftwerke künftig wieder mit höheren Belastungen zu rechnen ist. Der Rückgang 2027 ist daher eher als temporäre Entspannung innerhalb eines regulatorisch determinierten Tarifsegments zu interpretieren denn als belastbarer langfristiger Trend.1
Gegenläufig entwickelt sich einzig der Zuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz. Der Anstieg dieser Position ist nicht auf den eigentlichen Betrieb des Übertragungsnetzes zurückzuführen, sondern auf Kostenbestandteile, die Swissgrid gesetzlich beziehungsweise verordnungsrechtlich abzuwickeln hat. Dazu gehören insbesondere Netzverstärkungen in den unteren Netzebenen sowie die politisch beschlossene Entlastung der Schweizer Stahl- und Aluminiumindustrie beim Netznutzungsentgelt. Tarifsystematisch zeigt sich damit erneut, dass über das Übertragungsnetz zunehmend auch sachfremde beziehungsweise exogen determinierte Umlageelemente abgewickelt werden.1
Die Tarifsenkung 2027 ist primär auf operative und marktseitige Verbesserungen in den beeinflussbaren Bereichen von Swissgrid zurückzuführen. Dem steht ein Anstieg der solidarisierten, nicht netzbetriebsinduzierten Kosten gegenüber. In der Gesamtbetrachtung überwiegen jedoch die entlastenden Effekte aus Netznutzung, Systemdienstleistungen und Stromreserve, sodass die Swissgrid-Abgaben insgesamt von 0.73 auf 0.55 Rp./kWh zurückgehen.1
Für einen typischen Haushalt H4 resultiert daraus eine Reduktion des jährlichen Swissgrid-Aufwands von 64 auf 54 CHF. Auch für grössere Verbrauchssegmente ergibt sich gemäss Medienmitteilung eine spürbare Entlastung.1
Was bedeuten die einzelnen Komponenten?
Die Tarife für die Netznutzung
Die Tarife für die Netznutzung decken die Kosten von Swissgrid für ihr Kerngeschäft. Dazu gehören die Erneuerung, der Ausbau und der Unterhalt des Übertragungsnetzes sowie dessen Betrieb und die Überwachung aus den Leitstellen.
Gemäss StromVV teilt Swissgrid diese Kosten in unterschiedliche Tarife auf und stellt sie den direkt am Übertragungsnetz angeschlossenen Verteilnetzbetreibern und Verbrauchern in Rechnung. Die Verteilnetzbetreiber kalkulieren auf dieser Grundlage zusammen mit ihren eigenen Netzkosten die Netznutzungstarife für ihre Kundinnen und Kunden oder für nachgelagerte Verteilnetzbetreiber.
Auf der Stromrechnung erscheinen diese Kosten meist gebündelt unter dem Begriff «Netznutzung». Im Netznutzungstarif eines Verteilnetzbetreibers sind somit sowohl dessen eigene Netzkosten als auch die anteiligen Kosten der vorgelagerten Netzebenen enthalten, einschliesslich der Tarife von Swissgrid.
Der Tarif für die allgemeinen Systemdienstleistungen
Der Tarif für die allgemeinen Systemdienstleistungen deckt zu einem wesentlichen Teil die Kosten für die Regelreserve. Diese ist notwendig, damit Swissgrid das Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch sicherstellen und die Netzfrequenz konstant bei 50 Hertz halten kann.
Die Regelreserven werden von verschiedenen Anbietern bereitgestellt, etwa von Kraftwerken, und von Swissgrid entschädigt. Da Swissgrid keine eigenen Kraftwerke besitzen darf, beschafft sie diese Reserven auf unterschiedlichen Regelleistungsmärkten. Den grössten Kostenanteil macht dabei die Vergütung für die bereitgestellte Regelleistung aus. Bei unvorhergesehenen Ereignissen, etwa beim Ausfall eines Kraftwerks oder bei starken Produktions- und Verbrauchsschwankungen, werden diese Reserven aktiviert.
Der allgemeine SDL-Tarif wird in Rappen pro Kilowattstunde festgelegt und von Swissgrid direkt den Verteilnetzbetreibern verrechnet. Diese geben die Kosten an ihre Endverbraucher weiter. Auf der Stromrechnung wird der Tarif in der Regel separat ausgewiesen.
Die Tarife für die individuellen Systemdienstleistungen
Die Kosten der individuellen Systemdienstleistungen werden über zwei Tarife gedeckt. Einerseits betrifft dies die Wirkverluste, die beim Transport und bei der Transformation von elektrischer Energie entstehen. Da Swissgrid keine eigenen Kraftwerke besitzen darf, beschafft sie die dafür notwendige Energie am Strommarkt.
Andererseits geht es um die Kosten für die Beschaffung von Blindenergie. Diese ist erforderlich, um die Spannung im Netz stabil und in einem technisch zulässigen Bereich zu halten.
Die entsprechenden Kosten werden den direkt am Übertragungsnetz angeschlossenen Verteilnetzbetreibern, Kraftwerksbetreibern und Verbrauchern in Rechnung gestellt. Verteilnetzbetreiber wälzen diese Kosten weiter. Auf der Stromrechnung sind sie in der Regel nicht separat sichtbar, sondern im Tarifbestandteil «Netznutzung» enthalten.
Der Tarif «Stromreserve»
Mit dem Tarif «Stromreserve» werden die Kosten für Massnahmen zur Erhöhung der Versorgungssicherheit gedeckt. Dazu zählen insbesondere die Wasserkraftreserve, Reservekraftwerke und Notstromgruppen, die der Bundesrat zur Absicherung der Stromversorgung eingeführt hat.
Die Höhe dieser Kosten wird nicht von Swissgrid bestimmt. Swissgrid rechnet sie jedoch gemäss den Vorgaben des Bundes über den Tarif «Stromreserve» ab. Der Tarif dient somit der Finanzierung staatlich vorgegebener Reserveinstrumente, die in ausserordentlichen Situationen zur Sicherstellung der Versorgung beitragen sollen.
Der Tarif «Zuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz»
Mit diesem Tarif werden seit 2026 weitere, nicht von Swissgrid verursachte Kosten verrechnet. Konkret geht es hier um die Netzverstärkungen in den unteren Netzebenen, welche gemäss Stromversorgungsgesetz ebenfalls von Swissgrid abgewickelt werden müssen.
Der Tarif enthält zudem die vom Parlament beschlossenen vierjährigen Überbrückungshilfen für die Stahl- und Aluminiumindustrie. Die Kosten werden von den Verteilnetzbetreibern an ihre Endverbraucher weitergegeben und erscheinen auf der Stromrechnung meist als Teil der Netznutzung oder der gesetzlichen Abgaben.
Swissgrid-Abgaben total
Die gesamten Swissgrid-Abgaben ergeben sich aus der Summe der relevanten Tarifbestandteile. Dazu gehören insbesondere die allgemeinen Systemdienstleistungen, der Tarif für die Stromreserve sowie seit 2026 auch der Zuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz.
2027 resultiert daraus ein Total von 0.55 Rp./kWh nach 0.73 Rp./kWh im Vorjahr. Trotz höherer solidarisierter Kosten sinkt die Gesamtbelastung, weil die Rückgänge bei den übrigen Komponenten stärker ins Gewicht fallen.
Vorliegerkosten Übertragungsnetz NE1
Die Vorliegerkosten des Übertragungsnetzes NE1 betreffen die Kosten des vorgelagerten Höchstspannungsnetzes, die in die Netznutzung einfliessen. Sie werden über Leistungs-, Arbeits- und gegebenenfalls Grundtarife abgebildet.
Diese Kosten werden den direkt angeschlossenen Netzbetreibern und Verbrauchern in Rechnung gestellt und über die Netznutzung in die nachgelagerte Netzebenen weitergegeben. Für Endverbraucher sind sie in der Regel nicht separat sichtbar, sondern Bestandteil des gesamten Netznutzungstarifs.
Quellen
- Swissgrid, Medienmitteilung «Tarife 2027», 17. März 2026. ↩
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